Panzerschiff "Admiral Graf Spee"

ein Baubericht von Wolfgang Aßmann


Foto von dem Modell des Panzerschiffes
im Maßstab 1:200

Die Geschichte des Panzerschiffes "Admiral Graf Spee"

Die "Admiral Graf Spee" wurde von 1932-1936 auf der Kriegsmarinewerft in Wilhelmshaven als drittes Schiff seiner Klasse gebaut. Von 1936-1938 war sie Flaggschiff der deutschen Flotte. Im spanischen Bürgerkrieg übernahm sie Sicherungsaufgaben in spanischen Gewässern. Am 21.08.1939 lief sie von Wilhelmshaven in den Südatlantik aus, um dort auf Warteposition zu gehen. Dort und im Indischen Ozean versenkte sie 9 Handelsschiffe mit insgesamt 50089 BRT. Am 13.12.1939 kam es vor der La Plata Mündung zu einem Gefecht mit den britischen Kreuzern Ajax, Exeter und Achilles. Die "Admiral Graf Spee" lief Montevideo als Nothafen an, um die Seetüchtigkeit wieder herzustellen.

Nach Ablauf von 72 Stunden mußte die "Admiral Graf Spee" den neutralen Hafen wieder verlassen und versenkte sich im La Plata selbst. Die überlebende Besatzung wurde interniert.

Die Entwicklung der "Panzerschiffe"

Nach dem Versailler Friedensvertrag durften Neubauten der deutschen Marine nicht die Deplacementsgrenze von 10.000 t überschreiten. Durch die im Washingtoner Abkommen neu geschaffene Typverdrängung ergab sich eine günstigere Berechnungsgrundlage für die Verdrängung der Schiffe. Der eigentliche Zweck des Abkommens, die Deutschen daran zu hindern, effektive, starke Schiffe zu bauen, wurde nicht erreicht. Die deutschen Konstrukteure verstanden es, bei geringer Verdrängung gute Seeschiffe zu bauen, die zudem noch verhältnismäßig stark bewaffnet waren. Von vier Entwürfen entschied sich die Reichsmarine für den Typ C, der den späteren Schiffen schon recht nahe kam. Während es beim Typschiff dieser Klasse noch gelang, die Vorgaben von Washington zu erfüllen, so ergab sich bei den beiden späteren Bauten eine Steigerung der Verdrängung.


Modellfoto

Die technischen Daten des Panzerschiffes

Länge :

186

m

Breite:

21,65

m

Tiefgang:

7,34

m max.

Verdrängung:

16020

t

Geschwindigkeit:

28,5

kn

Antrieb:

8 MAN Diesel mit einer Gesamtleistung
von 54000 PSw.

Bewaffnung:

6 Stück 28 cm Geschütze in zwei Drillingstürmen
8 Stück 15 cm Geschütze in Einzeltürmen
6 Stück 10,5 cm Flak in Doppellaffette
sowie 3,7 cm und 2 cm Flugabwehrgeschütze in wechselnder Anzahl
Außerdem noch 8 Torpedorohre vom Kaliber 53,3 cm.
Zusätzlich befanden sich noch zwei Arado Wasserflugzeuge vom Typ 196 an Bord.


Modellfoto

Zum Modell

Es entstand aus einem Baukasten der Firma Aeronaut im Maßstab 1:200, den ich im August 1981 erwarb. Der Inhalt des Kastens bestand aus einem Kunststoff Fertigrumpf in sehr guter Qualität und jeder Menge Sperrholz und Balsa- sowie Abachiklötzen. Dazu kamen noch diverse Kieferleisten und etliche Meter MS-Draht.

Alle Teile waren von guter Qualität, die man allerdings bei einem Preis von damals 230,-DM erwarten kann. Den getrennt erhältlichen Beschlagsatz für 340,- DM kaufte ich nicht, da ich mir die erforderlichen Teile selber zusammenstellen wollte.

Ich begann wie gewohnt mit der Fertigstellung des Rumpfes, d.h. mit dem Beschneiden des Tiefziehteiles. Um die erforderliche Stabilität in die Schale zu bekommen, setzte ich die drei Spanten sowie die Decks ein. Danach machte ich mich an den Einbau der Wellen- und Ruderanlage. Dabei fiel mir ein Mangel am Rumpf auf: bedingt durch die Tiefziehtechnik konnten die Wellenhosen nur in einer ziemlich plumpen Form an den Rumpf angebracht werden. Meiner Meinung nach empfiehlt es sich, hier selbständig die Wellenhosen zu ändern, etwa in dem man dort von hinten eine Glasmatte anlaminiert und an der Außenseite eine passende Wellenhose aus Rohr und Spachtel formt. Ansonsten aber stimmt der Rumpf mit dem beiliegenden Originalplan Überein. Nun brauchte der Rumpf nur noch seine Schlingerkiele zu bekommen, dann konnte er lackiert werden. Dazu wich ich von der Bauanleitung ab. Aus Biegeholzleisten paßte ich zwei Schlingerkiele an den Rumpf an, fixierte sie dort mit Sekundenkleber und vergoß die Fugen mit Uhu plus Schnellfest. Nach der Trocknung überzog ich beide Kiele mit dem oben genannten Epoxidkleber. Bis Heute ergaben sich keine Probleme mit der Beständigkeit.


Modellfoto Steuerbordseite

Nun konnte der Rumpf lackiert werden, das Unterwasserschiff in Rot, das Überwasserschiff in Mittelgrau mit aufgemalter weißer Bugwelle. Das Original führte dieses Tarnschema im Südatlantik zur Täuschung des Gegners.

Der nun folgende Arbeitsablauf war mit einer Menge schleiferei verbunden. Es galt, aus den beiliegenden Klötzen maßstabs- und vorbildgetreue Aufbauten zu zaubern. Erfreulich war die Tatsache, daß alle Klötze ein gewisses Übermaß hatten, so daß bei vorsichtigem Einsatz des Schleifpapiers kein Untermaß entstehen konnte. Der Schleifstaub allerdings war schon ziemlich lästig.


Modellfoto Mittelschiff


Modellfoto Mittelschiff

Getrennt nach Baugruppen imprägnierte ich die Aufbauten mit Porenfüller und setzte sie dann nach der Trocknung zusammen. Die Grundfarbe der Aufbauten ist Hellgrau, in Dunkelgrau und Mittelgrau wurde dann das Tarnschema nach Buchvorlage aufgebracht. Daraufhin begann ich damit, die Details an die entsprechenden Stellen zu setzen. Hierzu verwendete ich, wie schon erwähnt, größtenteils Fertigprodukte der Firma Aeronaut. Anstelle der vorgesehenen 2 cm Flak kaufte ich die 1,8 cm MG, da sie eher dem Original entsprechen. Nun sah mein neues Modell ja schon richtig nach etwas aus. Besondere Mühe machte ich mir mit den kleinen E-Meßgeräten am Gefechtsturm. Entgegen den vorgesehenen Fertigteilen aus Zinnguß und Alu-Rohr montierte ich selbstgefertigte Teile aus MS-Draht und -rohr.

Nun möchte ich noch schildern, wie man die Boote extrem paßgenau in die Lager kriegt, auf denen sie auf dem Deck stehen. Anstatt die Lager der Rumpfform anzupassen, sägt man einfach die Boote von unten an der richtigen Stelle ein und schiebt sie dann auf das Lager. Dadurch sitz alles perfekt und man spart sich das mühselige Aussägen der recht kleinen Lagerböcke. Den aus MS-Draht herzustellenden Mast hinter dem Schornstein erstellte ich nach Plan unter Zuhilfenahme von Fotos des Originals. Beim maßstabsgetreuem Nachbau von Kriegsschiffen empfiehlt es sich meiner Meinung nach immer, Fotodokumente zu Rate zu ziehen und sich dann auf einen bestimmten Bauzustand festzulegen. Alles andere führt zu wenig originalgetreuen Modellen.


Aufbau unter dem Gefechtsmast des Modells


Gefechtsmast und Schornstein des Modells

Noch etwas am Rande: Bei dem kleinem Maßstab des Modells und der daraus entstehenden filligranen Ausführung der Details ist es ratsam, alles so stabil wie möglich zu bauen, damit nicht alles bei der ersten Berührung kaputtgeht. So erging es mir mit den Masten der großen E-Meßgeräte. Diese sind aus Kunststoff angespritzt und dementsprechend anfällig. Nachdem sie ein paarmal versehentlich berührt wurden und dauernd abbrachen, ersetzte ich sie gegen passend abgelängten MS-Draht. Ansonsten aber ist das Modell, bei entsprechend sorgfältiger Behandlung, recht robust. Damit ist dann auch zum Bau des Modells alles Wichtige gesagt, bzw. beschrieben.

Wir kommen somit zum Einbau der Elektronik. Zuerst brachte ich anstatt der empfohlenen Milliperm zwei Monoperm zum Einsatz. Die Milliperm erschienen mir doch arg klein. Die Stromversorgung übernahm ein Bleiakku mit 6V Spannung und 3Ah Kapazität. In diesem Bauzustand besaß die "Graf Spee" noch keine Sonderfunktionen außer der Positionsbeleuchtung durch zwei LED's und fünf Suchscheinwerfer. Nach einem Jahr war ich dann zu der Überzeugung gelangt, daß sich ein Raucherzeuger an Bord meines Schiffes gut machen würde. Nun war ich gezwungen, die Versorgungsspannung auf 12V zu erhöhen. Damit war auch die alte Motorisierung hinfällig. Zwei Monoperm Super für 12V wurden eingebaut. Die Platzprobleme im Achterschiff kannte ich ja schon von den alten Maschinen her. Somit wurden die neuen Motoren wieder kopfüber eingebaut. Dadurch behindert der Sockel nicht beim Einbau.


Schornstein des Modells


Großmast des Modells

Die Fahrleistungen, die schon vorher mit sehr gut bezeichnet werden konnten, steigerten sich jetzt ins unrealistische. Aber der Mensch hat ja einen Fahrtregler, und den sogar doppelt, damit er auf der Stelle drehen kann. Der Raucherzeuger (ebenfalls doppelt) entschädigt mit seiner Wolke für die Mühe des Umbaus. Die bei dieser Gelegenheit eingebaute Sirene versieht ihren Dienst ebenfalls tadellos. Die eingebaute Sirene entspricht zwar nicht dem Original, aber es ist halt ein Spaß und ich finde man sollte das Hobby nicht ganz so verbissen sehen.

Fazit

Das Modell der "Graf Spee" ist dem Anfänger nicht unbedingt zu empfehlen, da der Bau, wenn er gelingen soll, doch einige tiefere Kenntnisse des Modellbaus voraussetzt. Hat man aber eine Ader für Kriegsschiffe und nicht allzuviel Transportkapazität, dann ersteht man mit diesem Baukasten ein handliches, jedoch nicht zu winziges Modell des gelungenen Originals.


Backbordseite des Modells

Es ist gut zu fahren, leicht zu transportieren und reizvoll im Nachbau, da der Baukasten doch Anforderungen stellt. Ich benötigte für den Bau ein halbes Jahr, allerdings war diese kurze Bauzeit nur möglich unter maximaler Ausnutzung der Freizeit. Noch heute habe ich viel Spaß mit meiner "Spee", wenngleich ich inzwischen schon einige Modelle mehr gebaut habe. Heute ist dieses Modell als Leihgabe im Stadtmuseum von Cuxhaven zu betrachten.

Für Fragen zum Modell stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung und für Anregungen und Verbesserungsvorschläge bin ich Ihnen dankbar.

wolfgang@wolfgang-assmann.de

Diese Seite wurde zuletzt am 07.01.2001 aktualisiert